Wenn der Bäcker kein Brot mehr verkauft….

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… dann ist das wahrscheinlich eine unternehmerische Fehlentscheidung. Wenn eine Bank sich nicht für Finanzprodukte interessiert, dann möglicherweise auch.

Ich spreche heute mal von meiner Hausbank, der Sparkasse. Diese baut derzeit in der Region 70 Stellen ab, weil sich das Finanzgeschäft im Niedrigzins-Sektor offenbar nicht mehr lohnt.

Ich führe ein kleines Unternehmen und habe aktuell offene Forderungen im 5-stelligen Bereich und einen vollständig ausgereitzten Kontokorrentrahmen auf dem Geschäfskonto. Das führt dazu das ich statt dem erwähnten Niedrigzins, also eher 11,23% Zinsen zahle. Dafür ist die Bank aber auch

Somit gehöre ich sicher zum Kreis vieler junger Unternehmer, die über wenig Rücklagen verfügen und viel Geld reinvestieren um dem jungen Unternehmen zu Wachstum zu verhelfen – und bei schleppender Zahlungsmoral dann schlichtweg „pleite“ sind.

Sicherlich wird sich der ergebene Liquiditätsengpass aber in den kommenden Stunden, bzw. Tagen auflösen – das ist auch gar nicht mein Thema – die Zahlungsmoral der Deutschen verdient einen eigenen Blogbeitrag. – Es wäre aber schön gewesen, wenn die Bank in Ihrer Funktion als Kreditinstitut auch hierzu ein Produkt im Portfolio hätte. Gibt es ja: Factoring

Auf meine Anfrage hinsichtlich der „Liquiditätsherstellung auf Basis berechtigter Forderungen“ hat die Sparkasse leider nichts im Portfolio. Die Sparkasse verweist auf „diverse Factoringanbieter im Markt“ UND empfiehlt mir zeitgleich den Abschluss einer gewerblichen Rechtsschutzversicherung. Termin können wir gerne gleich vereinbaren…

Irgendetwas stimmt mit Banki nicht…

Die Sparkasse möchte also lieber kurzfristig von Versicherungsprämien profitieren, als ein angemessenes Produkt auf den Markt zu bringen, dass dem jungen Unternehmer eine echte Hilfestellung wäre. Wohl weil der zu erwartenden Ertrag die Risiken bzw. den Aufwand übersteigen würde. Wie so häufig ist das aber zu kurz gedacht, denn wenn die Bank nicht mal bei solchen Problemen reagieren kann, warum sollte ich mir dann ausgerechnet von der Bank eine Versicherung andrehen lassen?

Andere Ideenlosigkeiten der Banken

Aber weil wir gerade bei Finanzprodukten sind, noch ein anderes Beispiel:

2014 wollte die Sparkasse politisch gegen Paypal vorgehen – weil erste Kommunen begonnen hatten, Paypal als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Einerseits natürlich verständlich – andererseits sei mir folgende Frage gestattet:

Wozu braucht es Paypal überhaupt?

Na ganz einfach, weil es zu Zeiten in denen Börsengeschäfte im Hochfrequenzhandel ablaufen – Innlands-Überweisungen immer noch 24 Stunden dauern dürfen, Auslandsüberweisungen um ein vielfaches mehr. Das scheint nicht nur nicht mehr zeitgemäß – es ist nicht mehr zeitgemäß!

Und genau diese Lücke schliesst Paypal seit Jahren – mit wachsendem Erfolg. Da habe ich allerdings wenig Verständnis für die maulende Sparkasse, die als eine der größten deutschen Bankengruppen diese Lücke seit Jahren übersieht oder möglicherweise sogar pflegt.

Denn nun baut die Sparkasse selbst einen Paypal-Konkurrenten auf, der 2016 mit dem Namen „Pay Direkt“ antreten soll. Das Knowhow wurde zugekauft – warum auch nicht? Manchmal muss man sich externen Expertenrat holen, wenn man in dem Gebiet unsicher ist….