Die Startup-Blase Movinga

Neulich habe ich von Movinga berichtet und mich darüber echauffiert das ein „Affiliate-Unternehmen“, welches Umzugsdienstleistungen vermittelt, mit einer 25 Millionen USD Finanzspritze beflügelt wurde. 5 Monate später passiert etwas, das mich – nach meinem vorherigen Beitrag – wirklich freut: die Blase platzt.

Insgesamt 35 Millionen USD hatten namhafte Investoren in ein Unternehmen gepumpt, das verglichen mit der Investitionssumme wenig Substanz hat. Ein paar nette Jungs, die aus einer studentischen Laune heraus eine Umzugshilfe angeboten hatten, vermittelten nun Umzüge an Umzugsunternehmen mit Überkapazitäten.

In der Internetbranche ist das eigentlich nichts anderes als ein cleveres Affiliateprogramm – nämlich das Vermitteln von Aufträgen gegen Provision.

Das Geschäftsmodell an sich ist dennoch vollkommen OK und mit dieser Idee hätte das Unternehmen solide wachsen und eine luxeriöse Martkstellung erreichen können. In einer ersten Finanzierungsrunde erhielt Movinga 8 Millionen USD – das möchte ich als sehr komfortable Finanzspritze für ein StartUP bezeichnen. Davon wurde offenbar unter anderem auch ein eigener kleiner Fuhrpark angeschafft um zusätzlich auch eigene Umzüge durchführen zu können.

Das Geschäftsmodell bis hier her:

Eine Vermittlungsplattform für die direkte Vermittlung von Umzügen und im zweiten Schritt ein kleiner eigener Fuhrpark für solche Umzüge, die in Eigenregie durchgeführt werden. Die Vermittlungsplattform ist nach meiner Einschätzung nicht viel wert – denn die Idee der Umzugsvermittlung ist kopierbar und wird auch bereits kopiert.

Was hingegen gefällt ist die Rentabilitätssteigerung für die durchführenden Unternehmen. Erreicht wird dies durch Vermeidung von Leerfahrten und gesamthaft mehr Auftragsvolumen. An sich spannend, aber am Ende auch nur eine Frage geschickter Disposition bei gutem Auftragsvolumen – also ein externer Großdisponent mit Vermittlungsfunktion. Kurzum: Mit der richtigen Software und ein paar guten Disponenten kein Hexenwerk – jede mittelständische Spedition macht das seit Jahrzehnten so.

8 Millionen USD reichen nicht

Soweit so gut, aber die 8 Millionen USD reichten nicht! In einer zweiten Finanzierungsrunde wurden durch weitere Investoren noch einmal 25 Millionen USD nachgelegt.

Ganz ehrlich, wer bis hier hin den Schuss nicht gehört hatte, der darf jetzt auch nicht jammern. Movinga war wie oben bereits erwähnt nach meiner Einschätzung schon mit 8 Millionen USD Investitionsvolumen geringfügig überbefeuert, aber 33 Millionen sind für meinen Geschmack vollkommen überzogen und das Geld ist nach 5 Monaten bereits nahezu verbraucht.

5 Millionen USD Ausgabe pro Monat – WTF

In den letzten 5 Monaten wurden demnach monatlich durchschnittlich 5 Millionen USD pro Monat investiert (wohin auch immer) und das Unternehmen hat Schwierigkeiten. Movinga ist zu schnell gewachsen, die erwartete Qualität lässt sich nicht herstellen. Abrechnungsfehler und verpatzte Termine werden in den Kundenbewertungen reklamiert. Standorte müssen wieder geschlossen werden.

Bei 8 Millionen USD auf der Einnahmenseite gibt es angeblich Abstimmungsprobleme in der Debitorenbuchhaltung – bei diesem übersichtlich Betrag ist nicht feststellbar, ob der Kunde inzwischen gezahlt hat, oder ob es sich um einen offenen Posten handelt. Insofern diese Unterstellung zutreffen sollte, ist das natürlich ein gravierender Punkt in der Gesamtaufstellung des Unternehmens und spricht Bände!

Aber auch kleine Fehler bringen mich als Webworker auf die Palme: So leitet die Domain http://movinga.de nicht mal auf die führende www. Version um. Bis zu 50% der DirectTypeIns gehen verloren. So etwas darf einem „Global Web-Player“ einfach nicht passieren! Das sind Basics!

Das Chaos muss groß sein und es wundert mich nicht!

Die Gründer hinter Movinga sind junge Kerle, frisch von der Uni und weniger als 2 Jahre Berufserfahrung mit einer netten Geschäftsidee.

Quasi über Nacht begleiten sie ein Unternehmen mit insgesamt 33 Millionen USD Kapitaldecke und 500 Angestellten – das Unternehmen selbst wird mit 90 Millionen USD bewertet. Keine gewachsenen Strukturen und Erfahrungen, sondern einfach nur viel zu viel Geld und einem Haufen Optimismus. Im Rücken die renditestrebenden Investoren die Bewegung sehen wollen, Expansion und Gewinne. Selbst gestandene Manager hätten mit dieser Aufgabenstellung sicherlich ein Problem!

Denn Zeit ist zwar Geld, aber mit Geld lässt sich keine Zeit kaufen!

Und Zeit wird für ein solides Wachstum nunmal einfach benötigt. Und dieses Problem sollen 2 Junge Typen mit einer netten Geschäftsidee stemmen? Die Gründer springen ab und das Geld wird knapp.

Dritte Finanzierungsrunde

Movinga geht die Kohle aus und diesmal sollte kein geringerer als Google Ventures in Movinga investieren – zumindest will das das Tech-Magazin t3n herausgefunden haben. Da aber zur Zeit wegen einer angeblichen Urkundenfälschung eine Staatsanwaltliche Ermittlung gegen Movinga läuft, sprang Google ab und Rocket Internet wird möglicherweise eine erneute Finanzspritze zugeben müssen.

Was. stimmt. mit. euch. nicht?

Unter dem Strich kann ich nach wie vor, immer und immer wieder nicht nachvollziehen warum es bei Start-Ups ständig zu derartigen Finanzexplosionen kommen muss.

Ich habe selbst 2 Unternehmen gegründet. Eines vollkommen ohne Startkapital im Nebenerwerb und später ein zweites (als GbR / Handelsunternehmen) mit einem kleinen Bankkredit im niedrigen 5-stelligen Bereich. Wir hätten gerne mehr investiert aber bei der Hausbank nicht mehr bekommen und mussten uns durchbeissen – dass allerdings mit klarem Erfolg. Bequemer und schneller wäre es mit einem souveränen Investor gegangen – aber die wollen ja nur das große Geld sehen und interessieren sicher nicht für Monatsumsätze unterhalb von 50.000 Euro (Marge ca. 30%) bei Inhabergeführter Personaldecke – da fehlt ja jeglicher Glanz und Glamour. Dabei bin ich mir so sicher, dass es im Mittelstandsbereich und Kleinunternehmberbereich so viele solide Unternehmen geben würde, bei denen sich eine Investition sicher und rentabel revangieren würde.

Aber liebe Groß-Investoren: Schmeisst das Geld nur weiter HAUFENWEISE fröhlich irgendwelchen hippen Uni-Abgängern in den Rachen – die haben die Lage stets voll im Blick und haben ein ernstes Interesse daran, ein Unternehmen kurzfristig erfolgreich zu machen (solange eben, wie der Geldhahn der Investoren-Seite nicht verschlossen wird).

Denn seid euch sicher: mit 5 Millionen USD Monatsbudget, kann jeder Vollidiot Aufträge an Land ziehen – allerdings schaffen es wohl nicht alle, die 5 Millionen Ausgabe zumindest mittelfristig in monatlich > 5 Millionen Einnahmen zu verwandeln. Denn nur das kann doch bei einem Invest das einzig logische Ziel sein.

In diesem Sinne macht buckelhart weiter, auf die nächste Finanzierungsrunde!